Sport
Eismeister Zaugg

Eismeister Zaugg: Was Langnau bei den Goalies besser macht als Bern

Tigers Goalie Robin Meyer, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, am Samstag, 3. Januar 2026, in der Emmental Versicherung Arena in Langnau.( ...
Robin Meyer hat die besten Statistiken der Liga.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Der SCB macht junge Goalies reich – Langnau aber macht sie besser

Langnau hat aus dem vergessenen Talent Robin Meyer den aktuell statistisch besten NL-Goalie gemacht. Nun feierte mit Martin Neckar ein hochkarätiges Talent mit den SCL Tigers in Ajoie eine formidable Premiere in der höchsten Liga – während Christof von Burg in Bern hoffnungslos in der Karriere-Sackgasse steckt.
15.01.2026, 05:4515.01.2026, 16:15

Wer ist statistisch mit einer Fangquote von 92,74 Prozent aktuell der beste Torhüter der Liga? Leonardo Genoni? Reto Berra? Immerhin stehen beide im Olympia-Team.

Nein, keiner der beiden. Es ist einer, der nie für ein Junioren-Länderspiel aufgeboten worden ist, der noch nie ein Länderspiel im Erwachsenenhockey bestritten hat und dem niemand mehr eine Chance in der höchsten Liga geben wollte: Robin Meyer (25), der letzte und wichtigste Mann bei den SCL Tigers. Ehemaliger Junior bei Zug und zuletzt in der Anonymität beim EHC Visp in der Swiss League.

Die Langnauer haben ein gutes Auge für Torhütertalente. Im Sommer 2022 verpflichten sie mit Stéphane Charlin einen 22-jährigen Goalie, dem in der höchsten Liga niemand mehr eine Chance geben mag. Trainer Thierry Paterlini erinnert sich schmunzelnd:

«Beim ersten Testspiel hat er so ziemlich jeden Puck reingelassen und ich habe gedacht: mein Gott …»

Stéphane Charlin reift unter Thierry Paterlini in Langnau zum Nationaltorhüter und in der vergangenen Saison war er nicht nur statistisch der beste der Liga. Inzwischen ist er mit einem hochdotierten Vertrag bis 2028 nach Genf zurückgekehrt.

Die Langnauer müssen letzten Sommer mit Stéphane Charlin also den besten Torhüter der Liga ersetzen – und wieder wagt Sportchef Pascal Müller ein Experiment: Er verpflichtet Robin Meyer vom EHC Visp. Auch einer, der es in der höchsten Liga nicht geschafft hat und dem inzwischen keiner mehr eine Chance geben wollte.

Tigers Sportchef Pascal Mueller, vor dem Qualifikations - Spiel der National League zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers, am Samstag, 6. Dezember 2025, in der Postfinance Arena in Bern.(KEYSTONE /M ...
Hat ein gutes Händchen bei Goalies: Tigers-Sportchef Pascal Müller.Bild: keystone

Die Skepsis im Emmental ist gross: Die Nummer 1 der Liga mit einem Goalie aus der Swiss League ersetzen? Wahnsinn. Und nun ist auch Robin Meyer statistisch die Nummer 1 der Liga. Andere kaufen für sehr, sehr viel Geld helvetische Star-Torhüter ein. Die Langnauer verpflichten für wenig Geld vergessene Talente und formen sie zu Star-Torhütern.

Sie investieren nicht in hohe Spielergehälter. Sondern nachhaltig in den Ausbau der Infrastruktur (was die SCL Tigers zu einem attraktiven Arbeitgeber macht) und in einen der besten Goalietrainer ausserhalb der NHL (William Rahm). Der Schwede kann sich mit Martin Gerber und mit Alfred Bohren austauschen, der seit Jahren auf allen nationalen Juniorenstufen Talente sichtet und 1998 zusammen mit Bill Gilligan die Schweizer bei der U20-WM zu einer sensationellen Bronze-Medaille coachte.

Was auch hilft: Die SCL Tigers sind unter Thierry Paterlini und dem für die Abwehr zuständigen Assistenten Steve Hirschi – eine Verteidigerlegende aus dem Dorf, die in Lugano einst Captain war – gemessen am zur Verfügung stehenden Talent das defensiv bestorganisierte Team der Liga geworden. Das hilft den Torhütern. Stéphane Charlin kommt jetzt in Genf nicht mehr auf die gleichen statistischen Werte wie zuletzt in Langnau.

Während sich etwa der SCB mit allen Mitteln dagegen sträubt, selbst einem hochkarätigen jungen Goalie eine Chance zu geben und lieber auf einen 35-jährigen Veteranen setzt, haben die Langnauer soeben erneut einem «Nobody» vertraut. Weil Robin Meyer krankheitshalber auf die Reise zum Auswärtsspiel gegen Ajoie verzichten muss und Luca Boltshauser nicht ganz fit ist, kommt Martin Neckar (20) zum Zug. Es ist für den französisch-tschechischen Doppelbürger mit Schweizer Lizenz der erste Einsatz in der höchsten Liga. Und bald steht die nächste Premiere an: Er ist ins französische Olympia-Team aufgeboten worden.

PostFinance Top Scorer Anttoni Honka (HCA), Mitte, scheitert an Torhueter Martin Neckar (SCL), rechts, im Qualifiaktionsspiel der Eishockey National League zwischen dem HC Ajoie und den SCL Tigers in  ...
Martin Neckar vereitelt einen Treffer von Ajoie-Topskorer Anttoni Honka.Bild: keystone

In einem schwierigen Spiel macht Martin Neckar seine Sache mit einer Fangquote von 94,75 Prozent gut. Die Langnauer dominieren zwar mit 42:19 Torschüssen und verlieren nach Penaltys 1:2. Was den Eindruck erweckt, der Torhüter habe einen ruhigen Abend verbracht. Aber nichts ist schwieriger, als bei so wenig Beschäftigung hoch konzentriert zu bleiben. Zumal die wenigen Torschüsse in der Regel nach Kontern aus abschlussgünstigen Positionen abgegeben werden. Und tatsächlich wäre Ajoie in der Verlängerung durch Kyen Sopa und Anttoni Honka beinahe zum Siegestreffer gekommen.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Martin Neckar gehört seit 2019 zur Organisation der SCL Tigers und Sportchef Pascal Müller hat in weiser Voraussicht den Vertrag bereits im vergangenen Juni bis 2028 verlängert. Seit letzter Saison spielt er leihweise beim Partnerteam Chur in der Swiss League, aktuell mit einer formidablen Fangquote von 93,15 Prozent. Nur Thurgaus Christof von Burg (25) hält mit 95,70 Prozent noch besser.

Was diesem wenig nützt: Er steckt beim SCB hoffnungslos in der Karriere-Sackgasse, hat in Bern noch einen Vertrag für nächste Saison, ist aber noch nie zum Einsatz gekommen. Trainer Heinz Ehlers hat das kürzlich so begründet:

«Die Mannschaft verdient in unserer schwierigen Lage, dass sie mit dem bestmöglichen Torhüter eine Siegeschance bekommt.»

Also kommen Adam Reideborn und Sandro Zurkirchen zum Einsatz. Nächste Saison hat der SCB erst Christof von Burg unter Vertrag. Untersportchef Diego Piceci hat zwar dem Portal hockeyfans.ch treuherzig versichert, Christof von Burg werde nächste Saison ins Team integriert – aber das bedeutet in der stockkonservativen SCB-Sportabteilung nicht, dass er auch eingesetzt wird.

26/03/2025, Bern, PostFinance Arena, SC Bern - Fribourg-Gottà ron, 98 Benjamin Baumgartner Bern, center, 79 Thierry Bader Bern, right and 50 goalkeeper Christof Von Burg Bern, right disappointed after ...
Christof von Burg (rechts) spielte bei Bern bisher nur eine kleine Nebenrolle.Bild: www.imago-images.de

Der SCB macht junge Torhüter mit guten Verträgen zwar reich. Aber nicht besser. Geld allein macht halt nicht glücklich.

PS: Ajoies Goalie-Haudegen Damiano Ciaccio wird im Februar bereits 37 und sein Vertrag läuft aus. Er sollte die Hoffnung nicht aufgeben: Der SCB hat für nächste Saison erst einen Torhüter unter Vertrag …

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 13
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
19 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
insert_brain_here
15.01.2026 07:23registriert Oktober 2019
Wow, den dritten Torhüter einsetzen wenn die ersten beiden ausfallen, darauf muss man erst mal kommen! Genial, diese bauernschlauen Langnauer! 🙄
499
Melden
Zum Kommentar
avatar
besserwisser#99
15.01.2026 09:17registriert September 2019
Bei einem solchen Titel würde ich dann schon einige Details zu den Verträgen erwarten. So ist es (halt wieder einmal) nur Polemik. Ich rate dringend mit dieser Trump Methodik aufzuhören. Auch wenn es "nur" um Eishockey geht.
306
Melden
Zum Kommentar
avatar
Alfa-Romeo
15.01.2026 07:02registriert März 2021
Lieber verpflichten die Tigers einen Assistenten für Paterlini als Spieler für das Powerplay und die Tore schiessen können.
Gestern wurde wieder wegen Unvermögen wieder Punkte verschenkt.
Malone ist keine Verstärkung.
257
Melden
Zum Kommentar
19
Vier vergebene Matchbälle! Hingis' Traum schmilzt in Melbourne bei 50 Grad weg
26. Januar 2002: Martina Hingis bestreitet den letzten Grand-Slam-Final im Einzel ihrer Karriere. Bei bis zu 50 Grad auf dem Court erleben die Fans eines der grössten Comebacks der Tennisgeschichte – und eine entnervte und entkräftete Hingis.
«Ich hatte Schüttelfrost und Gänsehaut. Ich konnte mich nicht mehr richtig bewegen und habe nicht mehr dran geglaubt, noch zu gewinnen.» Am liebsten wäre Martina Hingis zum dritten Satz gar nicht mehr angetreten.
Zur Story